Die Rosen [Rosa der Römer] kühlen und adstringiren, die trockenen sind mehr adstringirend. Zu Saft muss man sie im weichen (frischen) Zustande verarbeiten, nachdem man den sogen. Nagel <ref>Unguis, der spitze Theil der Blütenblätter — von letzteren ist nur die Rede — mit dem sie auf dem Blüthenboden oder dem Kelche angeheftet sind.</ref> mit einer Scheere abgeschnitten hat, es ist dies das weisse Stückchen am Blatte, das Uebrige aber auspressen und (den Saft) im Mörser im Schatten reiben, bis sich eine dichte Masse gebildet hat. So wird es dann bei Seite gesetzt zum Einsalben der Augen. Auch werden die Blätter im Schatten unter fleissigem Umwenden getrocknet, damit sie nicht schimmelig werden. Die Colatur der trockenen, in Wein gekochten Blätter thut gut bei Kopfschmerzen, bei Augen-, Ohren-, Zahnfleisch-, After- [d.h. Mastdarm] und Mutterschmerzen, wenn sie mit einer Feder eingepinselt oder wenn damit gegpült wird. Dieselben (die Blätter), ohne Auspressen zerstossen und umgeschlagen, helfen gegen Unterleibsentzündungen <ref>ὑποχόνδριον, die Parthie vom Brustknorpel bis zum Schambein.</ref>, Magenfäule und roseartige Hautentzündungen; trocken aber und fein gerieben werden sie auf die innere Seite der Hüften gestreut, auch werden sie den [kräftigend <ref>ἀνθηραῖς, eigentlich blühend, jugendlich frisch.</ref> und wundenheilenden] Gegenmitteln zugesetzt. Sie werden auch gebrannt zu Mitteln, um die Augen zu verschönern. Die mitten in den Rosen befindliche Blüthe <ref>Der Blüthenboden mit Staubfäden und Pistill.</ref> wird bei Fluss des Zahnfleisches aufgestreut, die Köpfe <ref>Der Fruchtknoten.</ref> getrunken halten den Bauchfluss und das Blutspeien auf. [Die goldgelben und einblätterigen <ref>Nicht gefüllten.</ref> Rosen sind zu Allem unbrauchbar. Es gibt auch niedrige, kleinere, einfache, wilde, welche zu Vielem besser geeignet sind als die gebauten.]
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131. Περὶ Ῥοδίδων. Rosenpastillen.
Die sogen. Rosenpastillen werden auf folgende Weise bereitet: Frische, trockene, welk gewordene Rosen 40 Drachmen, indische Narde 10 Drachmen, Myrrhe 6 Drachmen werden fein gestossen und zu Pastillen von 3 Obolen Gewicht geformt, im Schatten getrocknet und in ein irdenes, ungepichtes, allseits gut verschlossenes Gefäss zur Aufbewahrung gegeben. Einige setzen auch 2 Drachmen Kostos zu und ebensoviel illyrische Schwertlilie, indem sie noch Wein von Chios mit Honig zumischen. Ihr Gebrauch findet statt bei Frauen, welche sie als Halskette umlegen, um den üblen Schweissgeruch zu verdecken. Man gebraucht sie auch fein zerrieben zu Streupulver und zum Einsalben nach dem Bade, wenn sie dann trocken genworden sind, werden sie kalt abgewaschen.
== Commentaires de Berendes ==
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____________________ == Commentaires de Berendes ==
(130). Die Rose, welche wir noch jetzt die Königin der Blumen nennen, spielt bis ins tiefste Alterthum in Dichtung und Prosa eine grosse Rolle. Ohne das Gebiet der Mythe zu betreten, sei nur erwähnt, dass man glaubte, die Rose sei ursprünglich nur rein weiss gewesen ; die griechischen Dichter sagen, das Blut des Cupido oder das der Venus aus einer Verletzung am Fusse sei auf sie getröpfelt und habe ihr die rothe Farbe und den Wohlgeruch verliehen. Theophrast (Hist. pl. 6, 4) und Plinius XXI 15 unterscheiden viele Sorten und zwar nach der Zahl, Rauheit, Glätte, Farbe und dem Geruch der Blumenblätter; auffallender Weise wurde die Rose nicht zu Kränzen u. dgl. verwandt. Die berühmtesten waren die zu Präneste und in Campanien ; die milesische hat die feurigste Farbe, aber nicht über zehn Blumenblätter ; die Zahl der letzteren steigt so sehr, dass eine Art die hundertblätterige, Centifolia, genannt wird. Die zu Kyrene wachsende Rose riecht am besten, überhaupt haben die mit rauhem Kelch versehenen (Moosrosen?) den feinsten Geruch (Plinius).